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Deutsch ist nicht gleich Deutsch, das weiß jeder, der in Bern beim Bäcker schon einmal ein Brötchen bestellte und mit einer Weggli nach Hause ging. Dialekt ist nicht gleich Dialekt, das weiß jeder plattdeutsche Muttersprachler, der im Handumdrehen Englisch lernt, doch sein leben lang ungläubig dem Bairischen lauscht. Stark gesprochene Dialekte symbolisieren für eine hochdeutsche Gesellschaft: Bäuerlichkeit, Naivität, Tradition, Tumbheit. Sächsisch wird heute gar mit Rechtspopulismus gleichgesetzt. Wobei viele nicht einmal Sächsisch von Saarländisch unterscheiden können.
Eins steht fest: Dialekt evoziert Reaktionen, von Geborgenheit bis Abscheu ist alles dabei.

«Mir si muff aber üs isch wohl e so»

Die Schwyzer Gebirgspoeten spielen mit den Klischee und Mythen ihres Landes. Im Berner und Walliser Idiom begeben sie sich in den alpinen Grenzbereich. Dialekt heißt hier auch: Authentizität. Für ein Ohr aus Deutschland mag sich das Ganze nach kehligem Krautsalat anhören. Mit ein bisschen Übung wird aber ein Schuh daraus.

Trunken von wogenden Wiesen Heu

Die Schweiz besitzt nicht nur verschiedene Dialekte (obwohl die meisten Ausländer sie schwerlich differenzieren können), sondern gleich vier Amtssprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und …
Die vierte offizielle Landessprache merken sich nur wenige, zumal sie praktisch nur im Kanton Graubünden gesprochen wird: Rätoromanisch, eine romanische Sprachvariation. Mit 60.000 Muttersprachlern hat sie echten Seltenheitswert. Zum Vergleich: Allein in Deutschland leben über 80.000 Menschen mit Schweizer Pass. Umso schöner, wenn doch in ihr geschrieben und gelesen wird.

Ostdeutsche Transsexuelle in Brasilien

Dialekte stehen immer auch für bestimmte Orte und Regionen, für geschichtliche Anomalien und lokale Mentalitäten. An der Waterkant redet man im Grunde gar nicht, im Süden schwätzt man den lieben langen Tag, so die Klischees. Thomas Brussig darf deshalb den Proto-Berliner spielen. „Ick mach hia allet mit.“ Da steckt die janze Weltoffenheit und Kaltschnäuzichkeit vonner Berlina Seele drinne.

Tadeusz Dabrowski – Die Bäume Spielen Wald

Sprachschöpfungungen und Varianzen entstehen nicht von allein, sie unterliegen inneren aber auch äußeren Einflüssen. So wanderten in den letzten 500 Jahren verschiedenste Worte und Denkkonzepte in die deutsche Sprache ein. Und dieser Prozess setzt sitzt fort. So entstehen immer wieder auch neue Dialekte (genauer: Akzente) und Grammatiken unter dem Einfluss anderer Sprachen. Tadeusz Dąbrowski ist ein solcher Wanderer. Der polnische Lyriker spricht ein fließendes Deutsch und erfindet Wörter wie „Mantel des Schneeidioms“. Im Interview kann man seiner gefärbten Ausführungen lauschen.

György Dalos – Zwei Fragen

Englisch mag sich in globaler Sicht als lingua franca durchsetzt haben, aber auf lokaler Ebene zeigt aber oft ein anderes Bild. In Ostafrika kommt man gut mit Swahili durch, in Südamerika mit Spanisch. So wie die deutsche Sprache durch Nachbarschaft und Herrschaft mit dem Polnischen verbunden ist, waren Österreich und Ungarn in einer Doppel-Monarchie sogar gesamtstaatlich vereint. Dieses Gebilde ist längst Geschichte. Der Einfluss des Deutschen lebt aber weiter in Osteuropa. Soweit, dass manche gar sich der historischen Verkehrssprache Deutsch voll und ganz annehmen. Einer von ihn ist der geborene Ungar György Dalos. Eines Tages wanderte er von Budapest nach Leipzig. Aber hört selbst.

Wir haben die Untiefen des Litradio-Archivs nach den geilsten, verrücktesten und hörenswertesten Soundfiles durchforstet und präsentieren euch jeweils im Zwei-Wochen-Rhythmus einen top kuratierten Beitrag.

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