„Ob das analog oder digital passiert, ist eigentlich wurscht. Hauptsache, man trifft sich und bespricht.“

In dem von Guido Graf angeleiteten Workshop am Samstagnachmittag kamen etwa 16 Teilnehmer zusammen, um über die Zukunft von Literatur zu sprechen. Vielmehr: Ein Think Tank. Vielleicht nur ein Think Tank für Guido Graf, welcher mit dem Format Ideen für das Programm der Tagung Litfutur 3 sammeln möchte. Litfutur suchte bereits zweimal nach Visionen der Zukunft von Literaturvermittlung, nach Formen, Räumen, Publikum.

Man trifft sich im Kegelcenter des Prosanova-Geländes, zur Teilnahme war eine Voranmeldung notwendig. Das Publikum stellt sich vor, teils erlangt man den Eindruck, dass Stunden des Vorarbeitens erbracht wurden, teils haben die Teilnehmenden aber auch angenehm keinen Plan. Der Titel wird erst einmal wörtlich genommen. „Mit Ebooks kann ich nichts anfangen. Da fehlt das Papierrascheln.“ Schnell wird klar, dass es gar nicht um Haptik vs. Digitalisierung geht, vielmehr um generelle Visionen. Wie wollen wir lesen?

Litfutur hat das erste Mal 2013 von der Zukunft dieses wie geträumt. Nach einer Einführung in die bisherigen Überlegungen von Litfutur geht es zum Ideenentwurf in Kleingruppen. Ich höre Träume, die viel mit Jetzt-Kritik zu tun haben. Wieso kann man als Leser nicht in den Schreibprozess des Autors eingebunden werden? Sollte es Give-Aways zu jedem Buch geben, die einem mehr davon erzählen? Wie kann man Texte begehbar machen? Wo findet man die neuen, wirklich politischen Texte?

Ich frage nach persönlichen Vorstellungen und Hoffnungen, ehe die Ansätze der Gruppen auf Flipcharts präsentiert werden. Es werden Lese-Autos, Schemata und viele, viele zu betrachtende Aspekte skizziert. Die Zukunft des Lesens kann eben nicht als jenes oder solches benannt werden, und wahrscheinlich auch nicht als Ebook lesender Roboter. Sie ist vage, ein Entwurf, den wir hier doch schon unmittelbar mitgestalten. Gerade auch auf dem Prosanova, wo doch das nova schon im Namen steckt.

Der Workshop endet mit vielen Denkansätzen, die einen inspiriert wie ratlos zurücklassen. Man kommt zur Einsicht, dass man es mit einem sehr weiten und komplexen Thema zu tun hat. Und doch einem Prozess, der schon lange geschieht. Den man hinterfragen und steuern kann, indem man darüber spricht. Von Robotern ist schon lange nicht mehr die Rede.

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