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Das Prosanova-Festival ist immer auch ein Klassentreffen. Einerseits treffen sich alle drei Jahre Menschen in Hildesheim, die sonst ihre Zeit auf Lesungen in Berlin oder Leipzig verbringen und nun (in der niedersächsischen Semi-Provinz) in post-industriellen Architekturen den Sounds und Wörtern lauschen. Klassentreffen aber auch im eigentlichen Wortsinne. Die Alumnis Hildesheimer Lehrstätten kehren wieder in die Stadt, die viele Jahre ihre Heimat war. Und alle Generationen sind dann versammelt: Thomas Klupp, Mitbegründer des ersten Prosanova 2005, ist vor Ort und hält eine der Eröffnungsreden. Damals Student ist Klupp heute selbst Dozent in Hildesheim. Bei seinem Vortrag muss Stefan Vidovic (Künstlerische Leitung des Prosanova 2014) seinem Vorgänger ein Flipchart tragen. Das Prosanova ist also im Grunde ein Parallell-Klassentreffen. Man trifft seine eigenen Kameraden, die sich oft in geschlossenen Grüppchen über das Gelände schleichen, gleichzeitig kann man sich in diese Kohorten einmischen. Alle sind sie da, lautet die passende Floskel.

Aber nicht nur die ehemaligen Leitungen sich antreffbar. Litradio wurde 2009 gegründet und bestreitet seitdem mit seiner Dokumentation und seinen Interview-Formaten einen Teil des Prosanova-Programms. Alle drei Jahre strömen auch Teile der vorangegangen Litradio-Redaktionen nach Hildesheim.

Teils technische Odyssee

Magnus Rust hat sich ein paar dieser Litradiotiten der letzten acht Jahre geschnappt und über den Werdegang dieses Radios gesprochen, das nie wirklich ein Radio war. Da sitzen sie also im goldenen Bauwagen („Golden Litroom“) und sprechen: Lara Sielmann & Robert Wenrich, die in ihrem ersten Hildesheim-Semester in ein Blockseminar gerieten, das unter der Ägide von Guido Graf 2009 zur Gründung von Litradio führte. Die Reise, teils idealistische Spielweise, teils technische Odyssee, hörte nicht mehr auf. 2012 stießen Christoph Möller & Kornelius Friz zur Redaktion. Sie berichten von ihrer Zeit und spiegeln ihre Prosanova-Erfahrung 2014 mit dem, was sie aktuell sehen können, wieder. Was die Zukunft von Litradio bringt? Innovationen, Allmachtsfantasien? Oder ist Litradio dem Vier-Jahres-Zyklus eines Bachelorstudiums unterworfen, der langfristige Veränderungen verhindert.

»Idealismus, Anarchie, Guido«, das ist Litradio, sagt Christoph Möller auf Nachfrage. Kornelius Friz erlaubt sich eine Alliteration »Liebe, Lesung, Leckmuscheln« Auf der nächsten Redaktionssitzung sollte debattiert werden, inwiefern diese Wörter als Charakterisierungen taugen.

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