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Videos machen heißt in vielen Fällen erst einmal: warm anziehen. Es ist November und wir schießen im Umkreis der Hildesheimer Innenstadt die ersten Bilder für unsere Essay-Reihe »Passwort Prosanova«. Wir, das heißt die Backstage Boys, das meint:

»Wir sind ein Filmkollektiv, das die potenziellen Anordnungen von Bewegtbild und Ton erforscht, indem wir auf verschiedenen Ebenen die Relation von Image, Symbol und Sprache im imaginären Raum Internet durch Neujustierung dekonstruieren.«

Irgendwie stimmt das natürlich. In der Realität ergibt sich aber ein weniger avantgardistisches Bild. Julian Altenburg, Marius Hoffmann und Magnus Rust stülpen sich ihre Winterjacken über, stecken die Hosenbeine in Omas selbstgestrickte Wollsocken. Es ist November und das Wetter gibt einen Vorgeschmack auf den Winter. Unsere Digicams reagieren noch empfindlicher auf die Kälte, ihre Akkulaufzeit verkürzt sich mit jedem sinkendem Grad.

Wir stehen am Hafen von Hildesheim, einem der surrealen Orte der Stadt. Hildesheim liegt im niedersächsischen Flachland, hier gibt es ein paar Hügel, aus denen man Salz gewinnen kann, an Schifffahrt denkt man nicht sofort. Bekanntheit hat der Hafen bei uns vor allem, weil hierher regelmäßig Grüppchen pilgern, um Fotoshoots abzuhalten. Fotos für die WG-Küche oder die Theatertruppe. Der Hafen ist dabei ein perfekter Imaginationsraum. Jeder kennt ihn, doch anders als Friseure, Discounter und Bushaltestellen hat er nicht viel mit unserem Alltag zu tun.

Wir verlassen das Hafengebiet und fragen uns weiter: Wie kann man einem Ortsunkundigem die Stadt ehrlich erklären? Darf unser persönlicher Blick dominieren? Spielt es eine Rolle ob der Hildesheimer Dom UNESCO-Weltkulturerbe ist, oder die Stadt angeblich Kommunikationsknotenpunkt für Terrorismus? Was bedeutet diese Stadt, diese studentische Transitstation für uns?

An einem Reitverein inmitten von mittelalterlichen Gebäuden bauen wir unser Stativ wieder auf, filmen die Pferde, ziehen weiter zum Nordfriedhof, zum Wall, zu Dönerbuden mit ihren Leuchtreklamen.

Wir könnten ewig weiter Material sammeln, doch es gibt für uns noch mehr zu filmen als Gebäude und Landschaft. Die Backstage Boys schauen in sieben geplanten Episoden hinter die Kulissen des Prosanovas. Wir bringen euch das Organisationsteam der Bella Triste näher, beleuchten die Historie des Festivals und debattieren ein wenig über die Zukunft der Literatur. Ihr bekommt Videoaufnahmen in 4:3, die weniger vom Geschehen ablenken als hochglanzpolierte Festivaltrailer.

Backstage Boys, all right!

 

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