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“Caerimonia. Zeitbehälter, Zeitgefäße und –fässer. Wer die Ordnung der Zeit vernachlässigt, fällt aus der Zeit mit Rumps! und Bumms. Vertändeltes Leben, verschlafener Tag, versäumte Weltengunst. Das All und Eine, die Sonnen, Planeten und ihre Beisassen, die Pflanzen und Tiere, hüten sich, solches zu tun. Alles atmet und rollt um mit Maß. Maß und Ordnung (ordo) bestellen die Weltordnung (kósmos). Gesetze, Zeit- und Festordnungen müssen Leidenschaften und menschliche Haltlosigkeiten bezwingen, da diese die Völker leicht in die Barbarei zurückwerfen und den Staaten erlauben, leichtsinnig auf Krieg zu grübeln. Satzung nötigt und kann lästig sein, doch der Krieg ist viel herber. Denn: „Silent leges inter arma.“ – Im Krieg schweigen die Gesetze. […]

Der Ordnung aber leisten die wildesten Gewalten Gehorsam. „Ordnung rejiert de Welt und Knüppel de Leutchen!“ (Berliner Redensart, um 1900)

Auch gilt es die launische Zeit selbst zu zügeln: Zwar macht sie aus einem Gerstenkorn ein Fass Bier und sinnt auf Wachstum und Gedeihen; doch Zufall und Zeit sind obendrein die größten Tyrannen der Erde, wie Herder und auch wir befinden; auch darum ersann sich der Mensch die Ordnung und das Maß der Zeit und ersehnt die Deutung und Hegung des Zufalls.”

Thomas Kapielski, (*1951 in Berlin-Charlottenburg), Studium der Philologie, Physischen Geographie, Philosophie. Schriftsteller, Künstler, Musiker, Dozent, lebt in Berlin.

Zuletzt erschienen sind Zeitbehälter. Kleine Festordnung (Merve), Ortskunde (Engeler) und Mischwald (Suhrkamp).

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