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Der Umgang mit den Dingen ist eine Ausdrucksform des Individuums, über die es mit seiner Umwelt interagiert, sie gleichzeitig für sich erschließt und sich dadurch selbst konstituiert. Unser Interesse besteht in der Sensibilisierung für das, was uns physisch umgibt. Unter der Annahme, dass der Mensch sich Subjekt und Objekt zugleich ist, sich über das Dingliche dokumentiert und definiert, untersuchen wir das Ding als sachliche und symbolische Erweiterung von Persönlichkeit.

Über Jens-Uwe Beyer und sein schönstes Ding.

jens-uwe-beyer

Burkhard Mönnich

Minifährmann

Ich hab einen sehr guten Freund, der wohnt in Miami, da sind diese Riesenautos.

Er hat für unglaublich viel Geld sein Auto aus Italien nach Miami schiffen lassen. Vorne hat es nur ein Rad und hinten zwei — also eines dieser kleinen Minidinger. Und er fährt damit immer rum und guckt hoch zu diesen riesigen Autos. Das find ich super. SUV´s in weiß oder metallic, die Menschen dahinter müssen wie Teenager wirken.

Ich bin mir selbst eine Frage: Ich möchte Dinge haben, ich behandle sie mäßig sympathisch. Ein Instrument als Hammer. Oder eben als Instrument. Die fallen alle auseinander, da freue ich mich, dass überhaupt ein Ton rauskommt. Aber ihr Weg zu mir war gut, intuitiv.

Im Studio hab mich umgeschaut und habe sehr viel gesehen. Den Kohleofen, der meine Heizung ist. Und dann doch das Bild: Dass man Minigiraffen hätte, das reicht schon. Die ist nur da, weil die aufgemalt wurde. Eine Wiese voller Minigiraffen, ein Wert aus einem Nichts, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Tatsache, diese Illusion.

Spannend ins Blaue. Straight durcharbeiten. Sich Wege bahnen im Wust, um durchzukommen. Wenn was umkippt, dann kippt es um. Man wird unweigerlich immer besser. Das ist verrückt: Wenn alles anders kommt, als ich dachte. Ein spürbar begangener Weg, einer Sache auf den Grund gehen, auch wenn man am Ende alleine dasteht. Ob ich ein Musikstück auf einem Kamm aufnehme oder eine Gitarre spiele, die Jimmy Hendrix mal gespielt hat. Ich bin nur ehrlich. Mir fällt vielleicht nichts anderes ein. Chilis. Das Bild will ich ansehen, die Platte will ich hören, die Chili will ich essen. Ich hab da dieses Gefühl, dass Qualität sich irgendwann durchsetzt, dass es sich ergibt, durch die eigene Kraft, die man investiert. Miami. Ich bin noch überhaupt nicht fertig, da wird sich bis zum Lebensende nichts dran ändern, und wenn es passiert, dann wär’s schade. Wenn man es versucht zu machen, ist es schon wieder vorbei, dann stehst du dir ja selbst im Weg. Darauf kann man auch nicht hinarbeiten, so etwas passiert. Irgendwelche Manager mit goldenen Schallplatten. Wer guckt sich heute noch VIVA an. Ich wüsste nicht wer. Gibt’s wahrscheinlich gar nicht mehr. Mit der Rolle, die man spielt, muss man leben können. Rolle und Persönlichkeit dahinter dürfen sich nicht zu sehr unterscheiden, sonst ist es ein Job. Dass alles wegfällt, diese Dinge wegfallen, die auch nicht sein müssen. Klar. Schön wäre es, wenn Dinge, die erschaffen wurden, auch an Wert gewinnen. Es gibt da ja so Zahlen — wenn die Leute alle einen Euro abgedrückt hätten, könnte ich mir einen Fuhrpark leisten. Gibt es überhaupt noch Videotheken oder sowas? Davon abgesehen ist mir das auch nicht ganz so wichtig, ich find’s schön, wenn die Leute meine Musik hören. Wenn sich das alles trägt.

Wenn man nicht aufpasst. Wenn man nicht aufpasst, hat das jeder, jeder das, dass er sich irgendwann mit dem zufrieden gibt, was er hat. Luxus. Dieses eingefahrene Mitmachen. Riesenautos. Letztendlich brauch’ man keine Dinge. Man muss sie sich machen. Diese Minigiraffe existiert gemalt eben doch. So ist es mit jedem Gedanken. Wenn man ihn denkt, ist er da und ist nicht mehr wegzudenken. Heute kann ja jeder auf einer Playstation schon besser produzieren als die Leute noch vor zehn Jahren in einem Superstudio. Umso einfacher, desto stärker, denke ich immer. Einfaches Bild.

 

avatars-000036453044-hhpli0-t500x500Nachdem Jens-Uwe Beyer erst seinen Kindergarten und dann die Schule abbrach, zog er von Fehmarn nach Kiel. Dort traf er viele Leute, die ihn inspirierten und ging mit ihnen nach Köln. Elektronische Musik. Der Maler der Minigiraffe ist auch
ein Freund, die Idee dazu stammt von einem russischen Werbespot. JU macht Musik. Hat er schon immer gemacht und eigentlich kam nie etwas anderes infrage. Er mag nicht gerne in Bands spielen, manchmal benutzt er sein iPad als Instrument. Als Popnoname macht er auch Popmusik. Jens-Uwe Beyer ist u.a. Mitbegründer der Kölner Labels Magazine, sein Album The Emissary erschien 2015 auf Kompakt.

Ein Interview mit Jens-Uwe Beyer, Text: Rebecca Fuxen

 

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