Twitter Google+
Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Der Umgang mit den Dingen ist eine Ausdrucksform des Individuums, über die es mit seiner Umwelt interagiert, sie gleichzeitig für sich erschließt und sich dadurch selbst konstituiert. Unser Interesse besteht in der Sensibilisierung für das, was uns physisch umgibt. Unter der Annahme, dass der Mensch sich Subjekt und Objekt zugleich ist, sich über das Dingliche dokumentiert und definiert, untersuchen wir das Ding als sachliche und symbolische Erweiterung von Persönlichkeit.

Über Regina Maybaum und ihr schönstes Ding.

bildschirmfoto-2016-09-16-um-16-02-22

Ein weißer Keramikkaktus neben einer mattweißen Vase. In das Tägliche integriert. Schlicht und funktional.

Hier im Laden ist vieles, was ich auch schön finde und was sich gut miteinander kombinieren lässt. Es ist noch mal etwas anderes, Sachen direkt ansehen oder anfassen zu können. Und die Kunden können mitreden. Manche schleichen lange um einen Gegenstand herum und irgendwann kaufen sie den für sich. Das hat etwas mit Lebensgefühl und Lebensqualität zu tun. Eine Tasse Cappuccino trinke ich lieber aus einer schönen Schale als aus einem Werbebecher. Da verbindet man etwas mit und nimmt sich mehr Zeit. Wenn ich von mir selbst ausgehe, würde ich eher etwas kaufen, das man auch benutzen kann. Funktionalität ist wichtig. Eine Vase kann auch ohne Blumen schön sein und trotzdem hat sie durch die Blumen eine Funktion, die eine Figur oder Skulptur nicht hat.

Ein alter Küchenschrank dient als Präsentationsfläche für Geschirr. Zeit erkennen. Bunte Becher aus Keramik und Melamin stehen auf hellem Holz. Alt und neu.

Dinge sind schön, wenn sie eine Emotion hervorrufen. Auch neue Dinge können das, aber auf eine ganz andere Art als alte Sachen. Kombinationen aus alt und neu sind gut. Ich gehe gerne auf den Flohmarkt oder habe Dinge von meinen Großeltern geerbt, wie das Taschenmesser. Ich mag es, wenn die Sachen gebraucht und benutzt wurden, alte Möbel sprechen mich eher an als ein neuer Schrank. Neu heißt für mich meist selber machen. Wenn ich täglich mit etwas umgeben sein soll, nehme ich mir schon die Zeit, das zu planen. Dann sehe ich das Bauen als Aktion und habe nicht nur das fertige Möbelstück vor Augen. Umfunktionieren finde ich total gut, die Idee, dass man mehr damit machen kann, als vorgesehen ist.

Ein Sofa, schlank mit schmalen Beinen. Grau mit einer blauen Sitzfläche, nicht aufregend und doch etwas Besonderes. Bequem und hochwertig.

Ein Sofa muss nicht mehr unbedingt das ganze Leben halten, das ist aber nicht auf die Qualität bezogen. Es muss zur Lebensphase passen und den täglichen Begebenheiten standhalten. Wenn man nicht so weit in die Zukunft denkt, geht man eher vom Nutzen aus, es sind Möbel, von denen man sich auch wieder trennen kann. Dann sieht man die Sachen eher als Gebrauchsgegenstand und nutzt sie vielleicht mehr. Man lebt schließlich darauf, sitzt oder liegt. Man kann mit Kindern oder meinetwegen auch Haustieren darauf spielen.

Ein großer Holztisch mit einer schwarzen Linoleumbeschichtung. Die Beine aus viereckig gebogenem Stahl, schwarz, pulverbeschichtet. Üppig gedeckt und doch nicht überladen. Frühlingsfarben, hellgrün, hellblau, gelb. Impulse geben. Markant und modern.

Dieser Tisch kann genauso gut als Schreibtisch dienen und wird auch im Bürobereich angeboten. Öffentliche Gebäude sind oft nicht schön eingerichtet, obwohl man sich beispielsweise in einem Krankenhaus oder in Wartebereichen wohlfühlen sollte und man da mit anderer Einrichtung eine deutlich angenehmere Atmosphäre schaffen kann. Mein Wunsch ist es, auch in diesem Bereich Dinge zu präsentieren, die von den Standardbüromöbeln abweichen. Das wäre gar nicht unbedingt teurer, es macht nur keiner, weil es für solche Einrichtungen ganz andere Kataloge gibt mit anderen Firmen, die dahinter stehen. Deshalb ist es mir bei meiner Planung sehr wichtig, Gebäude und Räume zu Ende zu denken, am Endprodukt beteiligt zu sein.

 

gina

Regina Maybaum ist Architektin und Inhaberin des Ladens Rauminhalt in Hildesheim. In Räumen achtet sie darauf, dass die Idee, die dahinter steckt, erkennbar ist. Sie ist von schönen Dingen umgeben, die Geschichten erzählen und Atmosphäre schaffen. Das Schönste, ein altes Taschenmesser mit Holzgriff, hat sie von ihrem Opa bekommen. Sie hat es immer dabei und benutzt es zum Beispiel, um Äste auf Spaziergängen abzuschneiden.

 

 

 

Ein Interview mit Regina Maybaum, Text: Amelie Limbach

bookmark me