Nachdem er in seinem Buch Der letzte Grieche bereits seinem Vater ein Denkmal gesetzt hat, das Denkmal für einen Mann, der mit 19 Jahren vom Süden Europas nach Schweden ging, kehrt Fioretos literarisch erneut nach Griechenland zurück. Die Ich-Erzählerin Mary gerät 1973 in die Mühlen der griechischen Geschichte, als an der Technischen Universität Athen Studierendenrevolten ausbrechen. Der Anfang vom Ende der Junta. Doch die schwangere Mary steigt in ein »falsches Taxi«, das sie nicht nachhause bringt, sondern direkt in die Folterzellen der strauchelnden Militärdiktatur. Dort schweigt sie.

Vielsprachige Fabel

Wenn Aris Fioretos (*1960) über sein neues Buch Mary und persönliche Bezüge zum Thema spricht, dann verfließen manchmal Realität und Fiktion. Der Lyriker Durs Grünbein (*1962) versucht im Gespräch, den Motiven des Romans auf den Grund zu gehen. Und auch hier verschwindet dann manchmal die Grenze zwischen Biografie und Literatur. Wenn Fioretos die Geschichte seines Vaters erzählt, dann weiß man im ersten Moment nicht, ob er aus dem Nähkästchen plaudert oder eine Romananalyse durchführt. Denn Fioretos‘ Biografie liest sich selbst wie eine Fabel, ein europäischer Reisebericht. Aufgewachsen in Schweden, Sohn einer Österreicherin und eines Griechen, Studium in Frankreich und den USA, später unter anderem Lehrverpflichtungen in Deutschland, wo er heute lebt. Polyglott, grau meliert, schwedisch-griechisch-österreichische Dreifaltigkeit.

Die Veranstaltung fand am 07.02.2017 im Literaturhaus Stuttgart statt.

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