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Anette Mingels, Katja Brunner, Alexandra Kedveš und Dirk Vaihinger diskutierten am 12. November 2013  im Literaturhaus Zürich über die Stellung von Frauen im heutigen Literaturbetrieb.

Die Autorinnen sind sich einig: Der Faktor des Geschlechts mit seinen vielfältigen, auch sexuellen Konnotationen prägt die Lektüre ihrer Texte. Dirk Vaihinger, Verlagsleiter von Nagel & Kimche, erstaunt das indes wenig: «Die Leser wollen die Person hinter dem Buch spüren.» Auf dem Buchmarkt sei es nötig, mit dem Text zugleich auch ein Gesicht zu verkaufen. «Wir müssen Besonderheit herstellen» – sonst verschwinde ein Buch spurlos in der Menge von Neuerscheinungen. Der Markt verlange feste Kategorien – für Genres wie auch für Autoren. Das Geschlecht hält er allerdings für sekundär. Viel eher müsse ein Autor als eigenständige Person fassbar werden: «Der Sympathiefaktor ist wichtiger als der Schönheitsfaktor.» Bei der Manuskript-Selektion entscheide zuerst die Qualität.

Bei der Diskussion unter der Leitung von Literaturkritikerin Alexandra Kedveš wird bald klar: Obwohl die öffentliche Anerkennung von Autorinnen in den letzten 30 Jahren stark zugenommen hat, scheitert die postmoderne Sprengung von Gender-Kategorien an den Erfordernissen des Marktes – eines Marktes, den Vaihinger notabene als «Frauenbetrieb» beschreibt, da die Mehrzahl der Leserinnen Frauen seien. Die «Macht der Erwartungshaltung» beeinträchtige das eigene Schreiben dennoch, bemerkt Brunner. Mingels hält entgegen, die Schubladisierung bringe den Autorinnen auch Vorteile. Überdies glaube sie nicht, dass man ständig den Schubladen entsprechen müsse, in die man gesteckt werde. Der Zuhörerin bleibt neben viel Unfassbarem am Ende die Essenz: Je länger man über Geschlechter-Kategorien im Literaturbetrieb diskutiert, desto mehr verliert man die Literatur selbst aus dem Blick.

Text: Martina Läubli

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