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In ihrem Vortrag nimmt Anke Graneß einige ausgewählte feministische Theorien der 1980er und 90er Jahre südlich der Sahara in den Blick. Sie zeigt die Vielfalt der Auseinandersetzungen mit einem sogenannten westlichen Feminismus, dessen Dominanz und Anspruch auf universelle Gültigkeit als nur ein weiterer Imperialismus identifiziert wird.

Feminismus und andere Imperialismen

Graneß geht auf alternative afrozentrische Projekte ein, die neue Formen der Selbstbenennung und Selbstrepräsentation formulieren. So der Womanism der Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Chikwenye Okonjo Ogunyemi (Nigeria), den Motherism der Kulturwissenschaftlerin und Lyrikerin Catherine Obianuju Acholonu (Nigeria) und den Stevanism der Literaturwissenschaftlerin, Lyrikerin und Aktivistin Molara Ogundipe-Leslie (Nigeria). Ausdrücklich grenzen sie sich gegen europäische und afroamerikanische feministische Konzepte ab.

Importierte Geschlechterungerechtigkeit

Mit der Philosophin und bildende Künstlerin Nkiru Nzegwu und ihrem Buch Family Matters – Feminist Concepts in African Philosophy of Culture richtet der Vortrag den Blick auf heutige patriarchale Strukturen und die Geschlechterungerechtigkeit in Nigeria als Ergebnis von ethischen und rechtlichen Normen, die während des Kolonialismus eingeführt und aufgezwungen wurden.

Auch die Anthropologin Ifi Amadiume mit ihrem Buch Male Daughters, Female Husbands – Gender and Sex in an African Society oder die Soziologin Oyèrónkẹ́ Oyěwùmí mit The Invention of Women – Making an African Sense of Western Gender Discourses machen auf die Probleme einer unkritischen Übertragung westlicher Kategorien und Theorien aufmerksam. Die Vorstellung, dass eine europäische Theorie der universal unterdrückten Stellung der Frau für Analysen aller gesellschaftlichen Kontexte weltweit anwendbar sei, ist nicht länger haltbar. Abschließend geht Graneß auf aktuelle feministische Positionen ein. So zum Beispiel auf Desiree Lewis (Südafrika), oder die African Queer Theory mit Awino Okech (Kenia), die sich gegen die Stärkung eines heteronormativen Diskurses südlich der Sahara richtet.

Philosophisches Kolloquium

Der Vortrag ist Teil der Ringvorlesung Feminismen: Persönliche Erfahrungen und globale Machtkreisläufe. Die internationale Vortragsreihe zur Feministischen Philosophie und Genderforschung findet im Rahmen des Philosophischen Kolloquiums im Sommersemester 2017 an der Universität Hildesheim statt.

Anke Graneß habilitiert am Institut für Philosophie in Wien zur Frage einer Philosophiegeschichtsschreibung für Afrika südlich der Sahara. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Interkulturelle Philosophie, Philosophie in Afrika, Geschichte der Philosophie, arabisch-islamische Philosophie, Feministische Theorie und Genderforschung.

Zu Beginn jeder Veranstaltung werden kurze selbstverfasste Texte von Hildesheimer Studentinnen und Dozentinnen oder literarische Texte vorgelesen. Diesen Abend eröffnet ein Text von Kim Wrigley.

Weitere Vorträge:

Geschlechterrollen und sprachliche Strukturen am Beispiel Japan (Yoko Arisaka, Yukiko Kuwayama, Rolf Elberfeld, Takahiro Nishiyama)

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