Donnerstag, 8. Mai 2014

Nora Bossong, Olga Grjasnowa, Thomas Klupp und Simon Urban im Gespräch. Moderation: Florian Kessler

Junge Autoren interessieren sich für WG-Küchen, ungeschützten Geschlechtsverkehr und den Frühstücksbrei ihrer Großmütter. Seit Jahrzehnten nerven sie das literaturinteressierte Publikum mit langweiligen Geschichten aus ihrem unbedeutenden Leben. Warum, fragt das Feuilleton, und spekuliert wild über die Gründe. Sind die zahmen Schreibschulen schuld? Haben sich die jungen Autoren zu viele Gehirnzellen weggekifft? Warum nehmen sie sich nicht Günther Grass und Juli Zeh zum Vorbild? Warum laufen sie nicht mit brennenden Fackeln vor dem Bundeskanzlerinnenamt auf und ab? Warum regnen ihre Romane nicht als Flugblätter vom Himmel?

Die Veranstaltungsreihe „Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren“ geht der Sache auf den Grund. Moderiert von Florian Kessler treffen am 8. Mai Simon Urban, Thomas Klupp, Nora Bossong und Olga Grjasnowa aufeinander. Es geht um eine Bestandsaufnahme. Gibt es politische Literatur noch und wenn ja, warum?

Nora Bossong

© Rabea Edel

© Rabea Edel

geboren 1982 in Bremen. Sie studierte Kulturwissenschaft, Philosophie und Literatur an der Humboldt-Universität Berlin, der Universität Leipzig und der Università La Sapienza in Rom (Italien). Für ihre literarischen Arbeiten erhielt sie mehrere Auszeichnungen, so den Peter-Huchel-Preis 2012 und den Kunstpreis Berlin in der Sparte Literatur 2011.

Zuletzt veröffentlichte sie den Gedichtband Sommer vor den Mauern (Hanser 2011) und den Roman Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Hanser 2012). Journalistische Arbeiten erschienen in der ZEIT und der taz, zudem schreibt sie regelmäßig auf dem FAZ-Blog 10vor8.

Olga Grjasnowa

© Fietzek

© Fietzek

geboren 1984 in Baku, Aserbaidschan. Längere Auslandsaufenthalte in Polen, Russland und Israel. 2011 erhielt sie das Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung. Für ihren Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt wurde sie zuletzt 2012 mit dem Klaus-Michael Kühne-Preis und Anna Seghers-Preis ausgezeichnet. Im Herbst 2014 wird ihr zweiter Roman „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ erscheinen.

Simon Urban

Simon-Urban

© Simon Urban

geboren 1975 in Hagen, Germanistikstudium in Münster, Ausbildung an der Texterschmiede Hamburg, Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.  2003 Erker-Preis, 2005 Literaturförderpreis Ruhrgebiet, 2006 Limburg-Preis der Stadt Bad Dürkheim. 2009 gewann er bei den Clio-Awards, einem der wichtigsten Kreativpreise der Welt, den Grand Prix und Gold für die erste literarische Live-Werbepause.  Für seinen ersten Roman PLAN D wurde er 2011 mit dem Debütpreis des Stuttgarter Krimipreises ausgezeichnet. Das Buch wurde bereits in elf Sprachen übersetzt. Simon Urban lebt in Hamburg.

Thomas Klupp

Thomas Klupp, © Thomas Klupp

© Thomas Klupp

geboren 1977 in Erlangen. Er studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim und war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift BELLA triste. Für seinen Debüt-Roman Paradiso (Berlin Verlag, 2009) erhielt er unter anderem den Nicolas-Born-Förderpreis und den Rauriser Literaturpreis 2010. Für seinen Text 9to5 Hardcore wurde er beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2011 mit dem VILLI-Publikumspreis ausgezeichnet. Thomas Klupp unterrichtet am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaften in Hildesheim.

2 Markt & Medien – Die Bedeutung des Literaturbetriebs für das Entstehen politischer Literatur

Freitag, 9. Mai 2014

Julia Eichhorn (Graf&Graf), Lars Claßen (Suhrkamp), Ijoma Mangold (Die Zeit) und Nikola Richter (mikrotext) im Gespräch. Moderation: Florian Kessler

Dass der Literaturbetrieb die Literatur von heute formt, ist klar. Aber wie groß ist der Einfluss wirklich? Dieser Frage stellen sich am 9. Mai der Kritiker Ijoma Mangold (Die Zeit), die Literaturagentin Julia Eichhorn (Graf&Graf), die Autorin und Verlegerin Nikola Richter (mikrotext) und der Lektor Lars Claßen (Suhrkamp). Sind sie schuld daran, dass niemand deutschsprachige Literatur lesen will? Werden Autoren von alten Männern in Verlagen und Literaturpreisjurys gezwungen, langweilige Texte zu schreiben? Machen junge Schriftsteller alles, um ihren Namen auf einem Buchdeckel bei Hugendubel stehen zu sehen?

Wie sieht sie aus, die politische Literatur von heute? Da gibt es Endzeitszenarios, Welten, in denen alles tot ist, sogar das Internet. Junge Menschen suchen Flüsse und reparieren Radios, sie wissen nicht mehr, in welchem Land sie wohnen und welche Sprachen man dort spricht. Der zweite Teil der Veranstaltungsreihe widmet sich Utopien und Dystopien, globalem und realistischem Schreiben. Im Herbst 2014 diskutieren Roman Ehrlich, Dorothee Elmiger, Martin Kordić und andere.

Julia Eichhorn

© Julia Eichhorn

© Julia Eichhorn

geboren 1981 in Tübingen, studierte Literaturwissenschaften und Geschichte in Tübingen und Potsdam, 2007 Magisterabschluss. Auslandsaufenthalte in Italien und dem Kosovo. Während des Studiums absolvierte sie verschiedene Praktika und Nebenjobs in Verlagen, nach dem Studium bei der Deutschen Verlags-Anstalt im Berliner Büro.  Seit 2009 ist sie bei der Literaturagentur Graf & Graf als Agentin für Belletristik tätig.

Lars Claßen

© Alexander Malecki

© Alexander Malecki

geboren 1981 in Mönchengladbach, studierte Literaturwissenschaften und Philosophie, seit 2010 ist er Lektor für deutschsprachige Literatur im Suhrkamp Verlag.

Ijoma Mangold

geboren 1971 in Heidelberg, studierte Literaturwissenschaften und Philosophie in Hamburg und Bologna, war von 2007 bis 2009 Jurymitglied des Ingeborg-Bachmann-Preises und moderierte die ZDF-Literatursendung „Die Vorleser“. Er ist Ressortleiter für den Bereich Literatur der Wochenzeitschrift Die Zeit.

Nikola Richter

© Nikola Richter

© Nikola Richter

geboren 1976 in Bremen, ist freie Autorin und Verlegerin. Sie rief 2013 den digitalen Verlag mikrotext für kurze digitale Lektüren ins Leben, der für den Virenschleuderpreis und den Berlin Innovation Concensus nominiert wurde und unter anderem Texte von Alexander Kluge, Sarah Khan oder dem syrischen Autor Aboud Saeed veröffentlicht hat. 2013/2014 kuratierte sie die Veranstaltungsreihe Netzkultur. Freunde des Internets zu digitalen Veränderungen in Kultur und Gesellschaft bei den Berliner Festspielen. Derzeit ist sie Projektleiterin der Electric Book Fair, der ersten E-Bookmesse Deutschlands, die im Juni in Berlin stattfindet. Ihre letzte Einzelveröffentlichung ist poesía del parque. poemas en espanol falso (Milena Berlin, 2012).

Moderator: Florian Kessler

© Jule Henrich

© Jule Henrich

geboren 1981 in Heidelberg, studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim Er schreibt als freier Journalist für verschiedenste überregionale Tages- und Wochenzeitungen und veröffentlichte 2013 das Buch Mut Bürger – Die Kunst des neuen Demonstrierens. Promoviert hat Kessler zum Thema Werkstattgespräche mit Schriftstellern. Zuletzt löste er mit seinem in der ZEIT erschienen Artikel Lassen Sie mich durch, ich bin Arztsohn! eine Debatte über die deutschsprachige Gegenwartsliteratur aus.

3    Wie sieht sie aus, die politische Literatur von heute?

Da gibt es Endzeitszenarios, Welten, in denen ein scheinbar ewiger Winter herrscht und andere, in denen freigelassene Gorillas depressiv werden. Der in den letzten Jahrzehnten so dominante Realismus wird aufgebrochen – dystopische Zukunftsvisionen und versponnene Neuschreibungen der Geschichte lösen ihn ab. Welche Absichten verfolgen diese Texte? Sind sie politische Statements oder geht es nur um das Spiel mit Form und Inhalt?
Aufnahme vom 25. September 2014 im Roten Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Roman Ehrlich

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© Roman Ehrlich

Clemens Meyer

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© Tabea Hertzog

Bettina Suleiman

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© Bettina Suleiman

Insa Wilke

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© Jürgen Bauer

 

Ist “global writing” die Literatur der Zukunft?

Krieg und Vertreibung, Einwanderung und Integration und die damit verbundene Suche nach Identität finden immer stärkeren Einzug in die deutschsprachige Literatur. Romane, die in Südamerika spielen oder auf Kabakon, in Weißrussland oder Tokio – was macht “die deutsche Literatur” eigentlich heute aus? Wo fängt sie an, wo hört sie auf?

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Aufnahme vom 26. September 2014 aus dem Roten Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Ann Cotten

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Sigrid Löffler

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Jagoda Marinic

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Insa Wilke

Wilke2014_2(c)Jürgen-Bauer

© Jürgen Bauer

 

Kuratiert wurden die Veranstaltungen von Alina Herbing und Ursula Kirchenmayer, gefördert vom Berliner Senat.

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