Scriptor, Alter roter Löwe rein, Berlin, Prosa.

Neues Format, neue Location, neue Stadt.

Wie ich gerade erfahren habe, wollte Guido, dass das hier aufgenommen wird, aber niemand hatte Zeit zu kommen. Würde ich mal öfter auf Slack nachlesen. Die Verspätung bei der ganzen Sache erreicht fast Hildesheimer Verhältnisse. Immerhin kommen hier jung und auch 1,2 alte Leute zusammen. Ein paar Leute kenne ich sogar etwas, so vom Sehen. Es gibt eine Kooperation zwischen BELLA triste und EDIT, zwischen Marina und Matthias. Ich könnte mir mal die EDIT kaufen, werde es aber nicht tun. Ich mag Donat Blum, der moderiert sehr geschickt und hat eine angenehme Stimme. Dann wird der Text gelesen und ich finde ihn ganz elegant, aber I don´t know, Rückblenden nerven mich ziemlich.

Leander beginnt seine Kritik und das Publikum eskaliert regelrecht. Zitat Berliner Hipster: „Was ist denn mit dem los?!“ Die Menge ist entsetzt und ich amüsiert.

Leander findet den Text unfertig (vor allem den Einstieg), Matthias findet ihn gut (vor allem den Einstieg). Ich finde das, was Matthias sagt, subjektiv, unsinnig und wenig konstruktiv. Hanne hat, wie Matthias, eine sehr oberflächliche Meinung. Die meisten loben und sprechen keine textuellen Probleme an, die es aber gibt. Ich habe das Gefühl, nur Leander und sonst nur Shida nehmen das hier wirklich als Textwerkstatt ernst. Weder das Publikum, noch die anderen vorne im Kreis tun das. Wir sind hier nicht auf einer Lesung! Matthias ändert seine Meinung zu jeder Textstelle, je nachdem, was Leander gerade sagt. Die Kritiken von Hanne wirken oft willkürlich und beziehen sich nie auf das gerade besprochene Thema. Leander ist wirklich klug, Shida auch. Und Matthias weiß nicht, was eine Textwerkstatt ist, hat es aber geschafft am häufigsten „Ich“ zu sagen. Glückwunsch.

Lyrik:

Während ich die Gedichte höre, sage ich zu meiner Nachbarin: „Das sind immer die Momente, in denen ich denke, das Lyrik unglaublich einfach ist.“

Die erste Kritik ist wie die Gedichte weird, semi-konkret und gleichzeitig nichtssagend. „Ich kann mir jeden Menschen nackt vorstellen und jeden Menschen tot“ wurde einstimmig zum besten Satz gewählt. „Möglich, dass einzelne Sätze geil sind, aber wieso muss ich dafür dann ein Gedicht lesen.“ Sagt meine Nachbarin. Ich nahm auch immer an, Gedichte hätten den Anspruch an sich, einfach gut zu sein, aber ich habe mich wohl geirrt. Dann bricht Patricia rein und ein Mann vor mir schüttelt den Kopf, aber hey, immerhin stehe ich nicht mehr kurz davor einzuschlafen. Ich finde sie toll, weil sie es schafft, den Sinn dieser als Textwerkstatt bezeichneten Farce zu hinterfragen. Entweder ich verstehe moderne Lyrik nicht, oder sie ist so sinnfrei, wie ich es mir immer dachte. Irgendwer findet, eine Textwerkstatt müsse vorsichtig sein und wenig Kritik beinhalten. Ich glaube, diese Person war noch nie in einer Textwerkstatt. Attitude, Attitude.

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