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Landschaft hast du vergessen

© Michael Schröder

„Ich sollte meine Schwester bitten, nach mir zu sehen. Gedanken sind gefährlich. Sie graben sich Gänge, viele Gänge, in denen man sich aufhalten kann, ohne mehr das Gesamtgebilde zu erfassen.  Immer mehr Gänge bilden sich in in mir. Ich sollte  Fieber messen. Ich behalte die Tür im Auge. Es ist ruhig, als sei nichts. Man gewöhnt sich an alles, dauert es nur lange genug an. Ich habe kein Bedürfnis danach, jemanden zu sehen, mir von  jemandem helfen zu lassen. Ich fürchte mich nicht  davor, unberührt zu leben. Ich habe keine Bedürf- nisse. Dies ist einer der Gedanken, die gefährlich sind, ich habe keine Bedürfnisse. Und so sitzt du auf einem Stuhl, du hörst dich atmen, das ist alles. Landschaft hast du vergessen.“

Es ist Zielinski, der da aus dem Nichts heraus Einzug in die Wohnung eines allein lebenden Mannes hält. Zielinski, der gepflegte, höfliche Fremde, lebt fortan in einer mit blauem Samt ausgeschlagenen Holzkiste, im größten Zimmer des erzählenden Protagonisten. Es riecht nach Holz. Riecht es wirklich nach Holz? Zielinskis Stimme ist schön. Spricht Zielinski wirklich? „Zielinski“ ist die Geschichte einer sich obsessiv-wahnhaft steigernden Selbstentfremdung. Nahezu unbemerkt von seinem sozialen Umfeld zieht sich ein Mensch Schritt für Schritt zurück, er kippt aus dem alltäglichen Leben.

Nina Jäckle, 1966 in Schwenningen geboren, wuchs in Stuttgart auf, besuchte Sprachschulen in der französischen Schweiz und in Paris, wollte eigentlich Übersetzerin werden, beschloss aber mit 25 Jahren lieber selbst zu schreiben, erst Hörspiele, dann Erzählungen, dann Romane. Sie erhielt zahlreiche literarische Auszeichnungen, beispielsweise den Karlsruher Hörspielpreis, das große Stipendium des Landes Baden-Württemberg, das Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds sowie das Heinrich-Heine-Stipendium. Sie ist Mitglied im VS Baden-Württemberg und im deutschen P.E.N.

„Zielinski“ ist im Verlag Klöpfer & Meyer erschienen.

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Kultur, Medien und Gesellschaft

Der Literarische Salon ist ein Forum für Kultur Medien und Gesellschaft an der Leibniz Universität Hannover und verbindet Kultur, Wissenschaft und Technik.
Der Literarische Salon bietet als Schnittstelle zwischen Universität und Außenwelt allen Interessierten die Gelegenheit, das Kulturgeschehen als einfallsreiche und lebendige Gesprächskultur wahrzunehmen. Im 14. OG des ehemaligen Conti-Gebäudes werden Personen und Themen aus den Bereichen Literatur, Wissenschaft, Medien, Theater, Film und Kunst vorgestellt – in ungezwungener Atmosphäre, durch Lesungen, Vorträge, moderierte Gespräche und nicht zuletzt durch den Austausch zwischen Gästen und Publikum.

Der Salon wird seit April 1999 von verschiedenen öffentlichen Institutionen und Stiftungen sowie privaten Förderern unterstützt. Seitdem finden die Veranstaltungen des Salons unabhängig von den Semesterzeiten statt.

www.literarischer-salon.uni-hannover.de

Gegenwart/Literatur