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Im Rahmen des Seminars “Poetische Verfahren 2 – Auslöschen, Durchstreichen, Weglassen”

Für den Titel ihres zweiten Gedichtbandes überführt Uljana Wolf einen Begriff aus der Sprachwissenschaft – “falsche freunde” – in ein feinnervig komponiertes und bisweilen aberwitziges poetisches Programm. Im Spiel mit Worten, die sich in zwei Sprachen orthografisch oder phonetisch ähneln, aber unterschiedliche Bedeutungen haben, entwickelt die Autorin ein Plädoyer für die Irritationen des Übersetzens im globalen Jetzt der Ära des “generalised dubbing” (Nicolas Bourriaud).

Ihr “DICHTionary” inszeniert Begegnungen zwischen dem Deutschen und dem Englischen und lässt in der “summenden” Anwesenheit aller Bedeutungen ein Drittes entstehen – das Gedicht selbst, ein Ort andauernder Transfervorgänge, immer in Bewegung und bereit, Festlegungen subversiv zu unterlaufen. Den Sprachverschiebungen in der Filmwelt geht das Kapitel “SUBSISTERS” auf die Spur. Hier liegt jedes Gedicht in zwei Fassungen vor, als Originalversion und als Version mit Untertiteln, die das Original nachhaltig verändern und seine Akteurinnen – Hollywood-Schauspielerinnen der 40er und 50er Jahre wie Barbara Stanwyck und Gene Tierney – jenseits stereotyper Ikonografien von Stardom und Weiblichkeit verorten.

“ALIENS”, die dritte Abteilung des Bandes verfolgt das wortwörtliche Über-setzen von Körpern beim Einwandern in einen anderen Staat anhand einer Checkliste von Krankheiten und Auffälligkeiten, die amerikanische Inspektoren um 1900 an Einwanderern auf Ellis Island abarbeiteten. Auf gegenwärtige Grenzkontrollen und Körper im biometrischen Raster reflektiert eine Serie von “Erasures”, die Regierungstexte und Anleitungen aus der Sicherheitstechnik durch Streichungen zugleich kritisch entlarven und in Dichtung überführen.

Uljana Wolf

geboren 1979 in Berlin, Studium der Germanistik, Kulturwissenschaft und Anglistik in Berlin und Krakau, lebt als Lyrikerin und Übersetzerin in Berlin und Brooklyn. ihre Gedichte wurden in Zeitschriften und Anthologien, unter anderem in Deutschland, Polen, Weißrussland, Ungarn, Bulgarien, Irland, Schweden und den USA veröffentlicht. Sie war Mitherausgeberin des “Jahrbuchs der Lyrik”, S. Fischer 2009. Als Übersetzerin überträgt sie vor allem LyrikerInnen aus dem Englischen und aus osteuropäischen Sprachen. 2008 erschien bei kookbooks Christian Hawkeys Reisen in Ziegengeschwindigkeit Gedichte in der Übersetzung von Uljana Wolf und Steffen Popp. Nach ihrem Debüt kochanie ich habe brot gekauft, kookbooks 2005, ist falsche freunde Uljana Wolfs zweiter Gedichtband. Ihre Gedichte wurden mehrfach ausgezeichnet, so 2003 mit dem Wiener Werkstattpreis, 2006 mit dem Peter-Huchel-Preis und dem Desdner Lyrikpreis sowie 2008 mit dem RAI-Medienpreis beim Lyrikpreis Meran.

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