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Der Fall Oskar Pastior

Urs Allemann Der Fall Oskar Pastior

„Unterzeichneter Pastior Capesius Oskar Walter, geboren am 20. Okt. 1927 in Sibiu, Sohn von Pastior Oskar Robert, von Beruf Reporter, derzeit angestellt beim Rundfunk, wohnhaft in Bukarest, Rayon 23. August, V.-Stroescu-Straße 42, habe im Lauf der Untersuchung gestanden, daß ich Gedichte mit feindlichem Charakter geschrieben und diese an verschiedene Personen weitergegeben habe. Ich bin mir dessen bewußt, daß diese meine Aktivität strafbar ist und verlange von den Organen der Securitate, mir die Möglichkeit zu geben, mich zu rehabilitieren und durch konkrete Taten meine Ehrlichkeit und Treue zum Demokratischen Regime der Volksrepublik Rumänien zu beweisen.

Hierfür werde ich mir alle Mühe geben, um dem Regime der VRR feindliche Elemente zu enttarnen. Die Informationen, die ich liefern werde, werden ehrlich und objektiv sein und ich werde nichts von all dem verschweigen, was ich erfahre, ungeachtet der Person. Ich werde die Informationen schriftlich geben und diese mit dem Namen Stein Otto unterzeichnen. Ich werde die Geheimnisse, die mir anvertraut werden, niemandem verraten und falls ich diese Verpflichtung nicht erfülle, bin ich damit einverstanden, gemäß der Gesetze der VRR bestraft zu werden.“

Seit diese Verpflichtungserklärung Oskar Pastiors bekannt ist, seit Berichte, etwa über den Schriftsteller Dieter Schlesak, aufgetaucht sind, herrscht große Bestürzung und Verunsicherung unter den Freunden des Dichters. Unter welchen Umständen mußte Pastior im Jahr 1961 diese Erklärung unterschreiben? Gibt es weitere Berichte? Welche Konsequenzen hatten sie für die Betroffenen? Und warum hat Pastior sich nach seiner Flucht aus Rumänien im Jahr 1968 nicht offenbaren können, auch nicht gegenüber Herta Müller, mit der er bis zu seinem Tod an einem gemeinsamen autobiographischen Buch über seine Erfahrungen in einem sowjetischen Arbeitslager schrieb?

Zwei Kenner von Leben und Werk Oskar Pastiors wurden im Rahmen der Veranstaltungsreihe Literatur im Folkwang, die in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Proust und der Literaturzeitschrift Schreibheft organisiert wird, eingeladen:

Urs Allemann, Schriftsteller aus Basel liest Texte von Pastior. Und Ernest Wichner. Wichner, ein Vertrauter Pastiors zu Lebzeiten, ist ebenfalls Schriftsteller; außerdem Leiter des Literaturhauses Berlin, ferner Übersetzer aus dem Rumänischen und Herausgeber der Werke Pastiors im Hanser Verlag. Wichner ist nach einigen Besuchen im Bukarester Securitate-Archiv zur Zeit am besten informiert, um über den Fall Pastior Auskunft zu geben.

© Buchhandlung Proust, Essen

Moderation: Norbert Wehr

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Kultur, Medien und Gesellschaft

Der Literarische Salon ist ein Forum für Kultur Medien und Gesellschaft an der Leibniz Universität Hannover und verbindet Kultur, Wissenschaft und Technik.
Der Literarische Salon bietet als Schnittstelle zwischen Universität und Außenwelt allen Interessierten die Gelegenheit, das Kulturgeschehen als einfallsreiche und lebendige Gesprächskultur wahrzunehmen. Im 14. OG des ehemaligen Conti-Gebäudes werden Personen und Themen aus den Bereichen Literatur, Wissenschaft, Medien, Theater, Film und Kunst vorgestellt – in ungezwungener Atmosphäre, durch Lesungen, Vorträge, moderierte Gespräche und nicht zuletzt durch den Austausch zwischen Gästen und Publikum.

Der Salon wird seit April 1999 von verschiedenen öffentlichen Institutionen und Stiftungen sowie privaten Förderern unterstützt. Seitdem finden die Veranstaltungen des Salons unabhängig von den Semesterzeiten statt.

www.literarischer-salon.uni-hannover.de

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