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Newe Jugent

Waterhouse Newe Jugent
© Margherita Krischanitz

1942 veröffentlicht der zwanzigjährige Pier Paolo Pasolini Poesie a Casarsa, einen Band mit Gedichten im friulanischen Dialekt, dem Dialekt seiner Mutter – eine Sprache, ganz vokal, akustisches Ereignis, aber nie von ihm selber gesprochen. Eine Sprache, die nur Schriftkörper ist für ihn, philologisch rekonstruierter Mutterleib, der Traum von einer unschuldigen Sprache. Der Traum von einer Sprache, die vor allem eines ist: nicht die Sprache des Vaters, nicht das bürgerliche Hochitalienisch des Faschismus.

1974, im Jahr vor seiner Ermordung, greift Pasolini diese frühen Gedichte wieder auf, wiederholt sie Text für Text, Zeile für Zeile, teils mehrfach, und erhebt sie dabei zur Sprache seines politischen Kampfes gegen den Übergang einer archaischen, agrarischen Ordnung in ein neues, globalisiertes System der Massenkultur. So entstehen zweierlei Bücher: La meglio gioventù und La nuova gioventù, die „Besser“ und die „Newe Jugent.“
Aus Anlaß neuer Gedicht-Übersetzungen Pier Paolo Pasolinis bei Urs Engeler Editor und im Schreibheft, Zeitschrift für Literatur 73, spricht der Lyriker und Übersetzer Peter Waterhouse über Pasolinis friulanische Gedichte.

Waterhouse: „Pasolinis friulanische Sprache ist nicht seine Sprache. Sie ist ein Du. Sie ist fremd, neu, erlernt. Das Friulanische ist das Andere, Heteronyme, auch Heterosexuelle. Pasolinis Homosexualität, die er in Casarsa erkannt hat, ist eine intensive Form von Heterosexualität, Beziehung und Gezogenheit zum Anderen, zum Du. Ein früher solcher Anderer und Geliebter war wohl das Friulanische. Es gibt nichts, das man bezeichnen könnte als ’mondo friulano di Pasolini’. Die Welt und die Sprache Casarsas und des Friaul sind nicht seine. Pasolinis Sprache ist nicht ein Ausdruck des Eigenen – es existiert gar keine eigene Sprache.“

Peter Waterhouse, geb. 1956 in Berlin, lebt in Wien. Schriftsteller und Übersetzer (u.a. von Michael Hamburger, Gerard Manley Hopkins und Andrea Zanzotto). Buchveröffentlichunen, zuletzt: Prosperos Land (2001), Von herbstlicher Stille umgeben wird ein Stück gespielt (2003), (Krieg und Welt) (2006).

präsentiert von
Guido Graf
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Kultur, Medien und Gesellschaft

Der Literarische Salon ist ein Forum für Kultur Medien und Gesellschaft an der Leibniz Universität Hannover und verbindet Kultur, Wissenschaft und Technik.
Der Literarische Salon bietet als Schnittstelle zwischen Universität und Außenwelt allen Interessierten die Gelegenheit, das Kulturgeschehen als einfallsreiche und lebendige Gesprächskultur wahrzunehmen. Im 14. OG des ehemaligen Conti-Gebäudes werden Personen und Themen aus den Bereichen Literatur, Wissenschaft, Medien, Theater, Film und Kunst vorgestellt – in ungezwungener Atmosphäre, durch Lesungen, Vorträge, moderierte Gespräche und nicht zuletzt durch den Austausch zwischen Gästen und Publikum.

Der Salon wird seit April 1999 von verschiedenen öffentlichen Institutionen und Stiftungen sowie privaten Förderern unterstützt. Seitdem finden die Veranstaltungen des Salons unabhängig von den Semesterzeiten statt.

www.literarischer-salon.uni-hannover.de

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